Andreas A. Berse
· 07.07.2023
Nein: Bewegliche Spoiler gehen gar nicht! Ein aktives Schürzensystem erzeugt beim Ferrari Daytona SP3 bei 340 km/h den nötigen Anpressdruck. Schließlich ist der 840 PS starke Maranello-Hengst eine Hommage an den Ferrari 330 P3, der mit Lorenzo Bandini und Chris Amon die 24 Stunden von Daytona im Jahre 1967 gewann – vor zwei weiteren roten Rennern aus Maranello. Und der P3 kannte noch keine aktiven Flügel. Chefdesigner Flavio Manzoni zitiert trotzdem mit Wonne andere formale Finessen des klassischen Rennwagens bei diesem Zwei-Millionen-Sportwagen, Baujahr 2022: die umlaufende Windschutzscheibe, die Flics an der Front, die auf die vorderen Kotflügel aufgesetzten Rückspiegel und die horizontal umlaufende, geriffelte Heckschürze. Auch das Happy End ist hier ganz wichtig für die Downforce.
Der Ferrari Daytona SP3 ist eine Hommage an den Rennwagen 330 P3 und geht in der „Icona“-Serie der Firma aus Maranello an den Start
Hybriden-Schnickschnack meidet der aktuelle SP3 allerdings. Er wird nur 599-mal gebaut. Wer vorher nicht einen Ferrari SP1 oder SP2 – jeweils auf 499 Stück limitiert – geordert hatte, kriegt erst gar keinen Kaufvertrag. Zurück zum SP3-Motor: Der ist ein V12-Sauger mit 6,5 Litern Hubraum, dem die Techniker dank Titanpleuel und einer nochmals leichteren Kurbelwelle zehn PS mehr entlockt haben – ein Meisterwerk. Es sind also 840 Pferdestärken bei sagenhaften 9500 Touren pro Minute. Diese unbändige Leistung überträgt beim SP3 ein Doppelkupplungsgetriebe mit sieben Gängen. Der Motor stammt aus dem Ferrari 812 Competizione, wo er allerdings vorne eingebaut ist.
Die Aerodynamik ist ausgefeilt. Hinter den Rückspiegeln saugt der Wagen Luft an, die am Ende der Türen austritt und dahinter in den Kotflügeln verschwindet. Das geriffelte Heck dient als eine Art Diffusor. Das „SP3“ steht übrigens für „Special Project“. In dieser auch „Icona“ genannten Serie werden Meilensteinen der Maranello-Geschichte mit modernen Automobilen der Extraklasse Denkmäler gesetzt – mit aktueller Technik. Im Fahrzeugschein steht der Daytona etwas spröde als „F 150 BD E“. Der Fahrer sitzt extrem tief – auf einem Polster über dem Fahrwerk – und das Chassis ist natürlich aus CFK gefertigt. Weil die Sitze sich nicht verstellen lassen, kann der Pilot die Pedalerie in die für ihn perfekte Position verschieben. Geschaltet wird über Kohlefaserwippen, die an der Lenksäule befestigt sind.
Dass Bburago diesen ultimativen Hammersportwagen aus Maranello bringt, war eine der großen Überraschungen der Spielwarenmesse in Nürnberg. 1989 kam der F40 von der damals noch norditalienischen Firma. Er machte den von Bburago selbst erfundenen Maßstab über Nacht weltberühmt. Was in den Siebzigern als Baugröße definiert wurde, um den Erzrivalen Polistil zu ärgern, der auf 1:16-Modelle gesetzt hatte, ist heute international das Maß der Dinge. Der am schnellsten wachsende Markt der Welt, China, will 1:18er haben.
Auch wenn der Daytona von Bburago an diesem ikonischen Miniatur-F40 anknüpfen will, ist doch vieles längst anders. Der F40 kostete damals 30 Mark und war an der Schnittstelle zwischen gutem Spielzeug und reinrassigem Sammlerobjekt mit rasendem Absatz unterwegs. Das erklärt auch seinen Erfolg mit bis heute über 2,5 Millionen verkauften Exemplaren. Der kommende Daytona von Bburago unterstreicht, wie sich die Modellautowelt bis heute in mehr als 30 Jahren grundsätzlich gewandelt hat. Er ist ein reinrassiges Sammlermodell geworden, das einen Anspruch auf fein umgesetzte Details in vielen Finessen überzeugend erfüllt. Das schlägt sich übrigens auch im Preis nieder: Bburago stellt für den weißen Daytona SP3 auf unseren Bildern 106,40 Euro in Rechnung, das wären weit über 200 Mark. Denn die Neuheit geht in der hochwertigen Die-Cast-Serie Signature Edition für Sammler an den Start.
Bei einem Ferrari gibt sich Bburago immer ganz besonders viel Mühe. Das zeigt auch der neue SP3 im Maßstab 1:18.
Ende Juni kommt die erste Version in den Fachhandel, in Bianco Avus. Das Vorserienmuster stand kurzfristig in Deutschland, im Showroom von Heinrich Bauer in Nürnberg, sodass die Redaktion es vorab unter die Lupe nehmen konnte. Die beiden nach oben schwenkenden Türen lassen sich originalgetreu öffnen, die große Heckklappe über dem verkleinerten V12 ebenfalls, die vordere Haube ist auch beweglich umgesetzt. Unter ihr lässt sich beim Original ein Notstoffdach verstauen. Für die Motorhaube gibt es bewegliche Aufsteller, die sich perfekt arretieren. Die Türen schließen tadellos. Ihre Scharniere sind kleine Meisterwerke. Schon bei unserem Fotomuster waren die Spaltmaße sehr gut – was vor allem bei den Türen mit den originalgetreu umgesetzten Aerodynamik-Kanälen, die extrem dick sind, keine einfache Aufgabe ist. Der Bburago-SP3 rollt auf fein geschwungenen Fünfarmfelgen in Grigio Corsa. Die Bremssättel hat Bburago blau lackiert. Das perfekt einsetzbare Hardtop zeigt die Version mit schwarzem Karbon. Das Interieur beim Daytona SP3 mit schwarzem Längsstreifen ist vorwiegend in Schwarz gehalten, mit braunen Partien für die Oberflächen der Sitze und in den Türinnenteilen. Deren Farbe heißt im Prospekt: Terra Bruciata, „verbrannte Erde“. Das alles hinterlässt einen sehr hochwertigen Eindruck. Ein feines Dreispeichen-Lenkrad mit Wippen, die passenden Instrumente und die Pedalerie sind originalgetreu lackiert. Das hat mit einem Bburago-Modell von anno 1989 nichts mehr zu tun. Auch der V12-Motor, leider größtenteils durch Plastikverkleidungen verdeckt und eingepfercht ins Chassis, ist hervorragend in 1:18 nachgezeichnet.
Ebenfalls klasse: die Außenlackierung des Daytona SP3 von Bburago. Die Karosserie zeigt gut getroffene Proportionen, und sowohl die Verkleidung vor dem Frontgrill als auch die Lamellen im Heck sind filigran. Ferrari und Bburago passen perfekt zusammen. Das beweist aktuell kein 1:18-Modell besser als dieser Daytona SP3.