Andreas A. Berse
· 29.05.2026
1993 hat Minichamps seinen ersten 1:64er, den Benetton B192 von Michael Schumacher, vorgestellt. Jetzt kommt wieder eine 1:64-Serie aus Aachen. Warum?
Paul G. Lang: Dieser Maßstab hat vor einigen Jahren seine Geburtsstunde in China erlebt und sich aufgrund seines Preis-Leistungs-Verhältnisses zur Baugröße Nummer 1 in Asien entwickelt.
War Minichamps damals mit dem Thema 1:64 vielleicht etwas zu früh?
Paul G. Lang: Ich hatte zu Beginn der F1-Karriere von Michael Schumacher mit ihm einen weltweiten Exklusivvertrag für Die Cast abgeschlossen. Um auch den sammelwütigen Kids preiswerte Modelle anzubieten, habe ich eine Serie von 15 Fahrzeugen im Maßstab 1:64 produziert. Die Serie reichte von Pkw, zum Beispiel Schumis erstem Auto, einem Fiat 500 in Rot, bis zu seinen Rennfahrzeugen. Diese Kollektion hat sich sehr gut verkauft. Auch Senna und F1 war ein Thema. Mattel war dabei noch nicht im Spiel. Dann haben wir später noch Straßenfahrzeuge von Alfa, Bentley und Co gebaut. Aber: Damit waren wir wohl etwas zu früh im Markt.
Auch NZG entdeckt den Maßstab 1:64 im Jahr 2026 für sich. Im zweiten Quartal starten zunächst gleich sechs verschiedene DTM-Versionen des Mercedes-AMG GT3 GMR in ausgefeilter Renndekoration und mit fein bedruckter Box. Die Verkaufspreise werden voraussichtlich bei 25 Euro liegen.
Was machen Sie denn heute dabei anders?
Paul G. Lang: Anders machen wir gar nichts, aber der Markt hat sich für diesen Maßstab erneut geöffnet.
1:64er leben vom Preis-Leistungs-Verhältnis und brauchen hohe Stückzahlen. Was bedeutet das für Ihre Vorbildauswahl in der neuen Serie?
Paul G. Lang: Es müssen nicht immer hohe Stückzahlen sein. Jeder Markt hat seine Nischen, und die muss man nur finden.
„1:64 ist heute der größte Volumen-Maßstab beim Modellauto“
Der neue Boom für die Baugröße 1:64 kommt aus Asien. Was bedeutet das für Ihre Strategie in diesem Maßstab?
Paul G. Lang: Unser Produktportfolio ist klar auf den asiatischen Markt ausgerichtet. Aus meiner Sicht benötigt der europäische Markt noch einige Jahre, ehe sich dieser Maßstab etablieren wird.
Eine steile These zum Schluss: Könnte 1:64 im Volumen das neue 1:43 werden?
Paul G. Lang: Die These ist nicht mehr steil. Den Mount Everest hat 1:43 längst überschritten. 1:64 ist heute schon der größte Volumen-Maßstab in der aktuellen Skala. Er ist momentan dabei, dem Maßstab 1:18 die Poleposition streitig zu machen. In Asien hat der Maßstab schon echtes „Sucht-Potenzial“. Man hat sogar Verkaufsautomaten entwickelt, um diese Sucht 24/7 bedienen zu können!