Andreas A. Berse
· 31.08.2023
A m23. Juli war es so weit: Da öffnete das Nationale Automuseum im hessischen Dietzhölztal seine Pforten für das Publikum. Der Unternehmer Friedhelm Loh macht damit seine unverwechselbare Autokollektion der Öffentlichkeit zugänglich. Auch um der Kunst des Automobilbaus und ihrer Entwicklung ein leistungsstarkes Denkmal zu setzen. Das Spannende an der Sammlung ist ihre Vielfältigkeit. Kleinwagen sind ebenso zu sehen wie ein heißer Opel Manta, eine Benz Victoria von 1895 und auch große Vorkriegs-Mercedes mit atemberaubenden Sonderkarosserien oder der einzige tiefschwarze Maybach Exelero von 2005. Ein Rolfo-Ferrari-Renntransporter aus den Sechzigern und zwei NASCAR oder IROC-Flitzer sind gleichfalls zu bewundern.
Sie lieben den Motorsport? Dann sind Sie hier richtig. Da hätte das neue Museum echte Grand-Prix-Renner von Michael Schumacher und Niki Lauda aus dem Hause Ferrari parat, um hier nur zwei Monoposto-Raritäten zu nennen. Die Marke Bugatti spielt außerdem eine große Rolle, mit virtuosen Luxusfahrzeugen aus der Vorkriegs-Ära und seltenen Sammlerstücken aus der 100-Oktan-Phase. Autofans geraten da schnell in den Rausch der Sinne, denn dieses Kaleidoskop an Meilensteinen auf vier Rädern ist in Deutschland ohne Vergleich. Und Friedhelm Loh arbeitet stetig daran, seine Sammlung zu optimieren.
"Friedhelm Loh will mit dem Nationalen Automuseum Begeisterung wecken: „Design und Technik mit den Menschen zusammenführen, das ist unser Ziel.“
Seine private Sammelleidenschaft begann mit einem 190 SL, in den er sich als Bub verliebte, weil ihn ein Bekannter seines Vaters fuhr. Mercedes blieb dann lange ein roter Faden. Friedhelm Loh: „Irgendwann bin ich durch meine Sammlung gegangen und habe mir gesagt: Für eine Person ist das doch einfach zu viel.“ Danach strukturierte er den Fuhrpark strategisch um. Der sympathische Autofan mit Tiefgang: „Ich wollte die beste Autosammlung in Deutschland aufbauen, die Menschen für dieses Thema über das Design und die Technik begeistern kann.“ Autos zu bauen, ist für Loh eine tolle Sache, eine technische Herausforderung, und er will junge Menschen wieder dafür entfachen. Auch mit Hochschulen ist er im Gespräch. Die Atmosphäre in der Industriehalle ist einmalig, zumal es noch weitere architektonische Glanzpunkte gibt, wie etwa den historischen Nachbau eines klassischen Kinos oder einer Steilkurve, in der Boliden parken. Ein gut gefüllter Setzkasten für die Exponate in 1:1 ist ebenfalls in Dietzhölztal zu bewundern.
Die Le-Mans-Lieblingsminiaturen der Geschäftsführer des Museums: Florian Urbitsch wählt den weißen Ferrari 412P von CMR in 1:12, Tobias Reichle den blauen Bugatti EB 110 LM von Autoart in 1:18.
Wie umfangreich und brillant das Nationale Automuseum bestückt ist, zeigt die aktuelle Sonderausstellung „100 Jahre 24 Stunden Le Mans“. Das Spektrum reicht von 1928 bis in die Neuzeit und umfasst 21 Fahrzeuge – 20 aus dem eigenen Fundus, eines als Leihgabe von Audi. Und die Museumsmacher sind außerdem unwiderstehliche Geschichtenerzähler: Zu jedem Fahrzeug gibt es Infos satt. Wir haben die beiden Geschäftsführer zu Le Mans befragt und nach ihrer Lieblings-Miniatur zu diesem Thema, denn beide sind Sammler.
Florian Urbitsch: „Wenn du das erste Mal in Le Mans bist, ärgerst du dich sofort, dass du nicht schon eher dorthingekommen bist.“ Sein Lieblingsmodell ist die weiße Startnummer 25 des Ferrari 412P von 1967, gebaut von CMR in 1:12. Tobias Reichle, der die Geschäftsführung komplettiert, zu MODELL FAHR-ZEUG: „Freud und Leid liegen in Le Mans so extrem nah beieinander.“ Sein Herz schlägt en miniature für den Bugatti EB 110 Le Mans von Autoart: „Der ist einfach genial.“ Noch interessanter als die Gastronomie wird für die Modellautofans der hauseigene Shop des Nationalen Automuseums sein. Denn dort gibt es bereits einen Fuhrpark maßgeschneiderter Sondermodelle exklusiv zu kaufen.
Jörg Walz, der das Le-Mans-Buch für das Nationale Automuseum geschrieben hat, zeigt uns sein Lieblingsmodell: Es ist der Porsche 919 als LM-Sieger von 2017 von Spark Model im Maßstab 1:18, die Nr. 2.
Für die Wiking-Fans kommen ein weißer Mercedes-Benz 300 SL Alu (17,99 Euro), den die Traditionsfirma aus der alten Form gebaut hat, und der orangefarbene Porsche 904 von 1964 mit der Startnummer 33 von Ben Pon und Henk van Zalinge (21,99 Euro). Limit: je 1000 Stück. Schuco liefert in 1:43 und 1:87 bald den Maybach Exelero von 2005 (Preise stehen noch nicht fest) aus Zinkdruckguss.
Drei 1:43-Miniaturen rollt Spark in Resine-Ausführung in den Shop: den orangen Porsche 904 GTS von Le Mans von Ben Pon und den Sierra Cosworth RS500, DTM-Sieger 1988 von Klaus Ludwig, bei dem der Helm auf dem Sitz liegt. Das Trio komplettiert der Peugeot 404 Break Ferrari Servizio Corse. Verkaufspreise hier: 69,95 Euro, Limit: je 200 Stück. Aus Die Cast steuert Brumm zum Starterfeld den Porsche 917 K von David Piper aus dem Rennen 1970 bei und den Ferrari 412P mit der Startnummer 26. Er gehörte zu dem Ferrari-Trio, das in einem epischen Fight das 24-Stunden-Rennen von Daytona im Jahr 1967 gewann. Preis: 59,90 Euro, je 100-mal gebaut.
Den Piper-Porsche liefert Spark übrigens auch in 1:18 als Resine-Modell an den Museumsshop und legt noch einen Mercedes-Benz CLR von Le Mans 1999 obendrauf. Verkaufspreise hier: je 229,90 Euro, Limit: 100 Stück. Zudem gibt es im Shop auch das vermutlich erste Le-Mans-Buch zum runden Geburtstag, das auch schon über den aktuellen Ferrari-Sieg des 499P berichten kann (39,90 Euro). Verfasst hat es der renommierte Motorjournalist Jörg Walz, der zum Langstreckenklassiker sagt: „Le Mans ist die Summe aus allem, was Motorsport faszinierend macht!“ Sein Lieblingsflitzer en miniature von Le Mans ist der Porsche 919 als Siegerwagen von Spark in 1:18 von 2017. Alle Museumsinfos gibt es unter www. nationalesautomuseum.de. Wäre dieses Museum ein Champagner, wäre es mindestens ein Comte de Champagne von Taittinger. Denn es perlt ganz unverwechselbar.