Andreas A. Berse
· 28.05.2026
Warum erst jetzt? Während die Vanguards-Range von Corgi normalerweise britische Alltagsautos der Nachkriegszeit repliziert, wagen sich die Briten jetzt an eine echte Motorsport-Legende: den Ford GT40. Und zwar nicht irgendeine Version, an den Le-Mans-Seriesieger aus den späten Sechzigern – ein Fahrzeug mit direkter Verbindung zu Carroll Shelby höchstpersönlich.
Die Geschichte hinter diesem Projekt liest sich wie ein Thriller. Corgi hatte bereits einen GT40 für den LIDAR-Scan zur Vorbereitung der Werkzeugkonstruktion organisiert – bei einem Londoner Klassiker-Händler. Wenige Tage vor dem Termin dann der Schock: Das Fahrzeug wurde verkauft und sollte außer Landes verschifft werden. Hektische Telefonate folgten. Ein zweiter Händler an der Südküste erklärte sich bereit, die Verschiffung eines anderen GT40 um einige Stunden zu verzögern. Das Scan-Team raste los, sicherte die Daten – und der Wagen ging erst danach auf die Reise zum Käufer.
Der gescannte P1018 ist kein gewöhnlicher GT40. Er wurde nach Rennwagen-Spezifikation gebaut, ging in die USA zu Shelby American und diente dort als Star-Demonstrator während der Glanzjahre des GT40. Ursprünglich in Maroon über Schwarz lackiert, trug er im Laufe der Jahrzehnte verschiedene Liveries, stand vor der Kamera und begeisterte bei mehreren Goodwood Revivals. Kürzlich wurde er in die originale Maroon-Lackierung zurückversetzt – genau diese Version kommt nun auch als Vanguards-Modell.
Die jetzt veröffentlichten CAD-Dateien und 3D-Stereo-Prototypen geben einen ersten Eindruck vom Engineering. Corgi plant separate Motorhauben für unterschiedliche Grill-Varianten – ein Aufwand, den man in diesem Maßstab nicht selbstverständlich erwarten darf. Die grauen Prototypen zeigen bereits markierte Stellen, an denen das Design nachgebessert werden soll: Die Seitenschweller-Passform und die Nasenpartie gehen zurück ins CAD.
Interessant für Sammler: Corgi spricht von „Details, das bisher in keinem Vanguards-Modell zu sehen war". Was genau damit gemeint ist, bleibt vorerst offen. Die Bilder deuten auf präzise replizierte Lufteinlässe und fein strukturierte Oberflächen hin. Ob öffnende Motorhauben geplant sind, verschweigen die Briten noch – bei einem GT40 wäre der Blick auf den Mittelmotor allerdings ein schlagkräftiges Verkaufsargument, dessen Erfolge Enzo Ferrari eine Zornesröte ins Gesicht zauberten, die an die Farbe seiner Rennwagen erinnerte.
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