Winterdienst bei Wiking in 1:87 - Wintermärchen

Ulrich Biene

 · 26.01.2026

Bild 1
Foto: Ulrich Biene
Für freie Straßen in der Wiking-Welt sorgen seit Jahrzehnten eigene H0-Spezialisten, die auch zu Werbeikonen mutierten.

Es sind die idyllischen Werbemotive der neunziger Jahre, die den Wiking-Freunden in guter Erinnerung blieben. Immer im Dezember bildeten die Traditionsmodellbauer ein Weihnachtssujet ab – mit allerlei aktuellen Wiking-Modellen, versteht sich. Und tatsächlich wurde der Winter damals immer öfter zum Diorama – ein spezielles Sammelthema war er dank des Unimog-Winterdiensts längst geworden.

Der Alleskönner spielt dabei die Hauptrolle. Es begann 1959 mit dem Froschauge, jenem UnimogUrahn, der bei Wiking noch ohne Verglasung auskam. Zur Verbesserung der Verkaufschancen hatten die Modellbauer ihm erstmals einen Schneeschild zugedacht. So richtig ernst nahm Wiking-Gründer Fritz Peltzer das Thema Winterdienst 1964, als der Unimog 411 mit geschlossener Westfalia-Kabine die Bühne betrat. Samt robuster Schnellschildkons truktion! Modellpapst Alfred Kedzierski hatte den im Spielbetrieb abbruchgefährdeten Schneeschild durch Traversen verstärkt. Unterm Fahrgestell eingesteckt, wurde er mit einem Stift gesichert. So war die Beweglichkeit gewährleistet. Kaum zu glauben, dass der Unimog 411 bis 1974 im Programm verblieb, ohne dass dem zweifellos würdigen Nachfolger U 406 Winterdienstaufgaben zugedacht wurden.

Erst 1987 ging es weiter, als der Unimog U 1700 debütierte. Die Konstrukteure schufen unter der Regie von Volker Sieper ein liertes Räumfahrzeug. Kein Wunder, detail dass dieses dann innerhalb der Wiking-Werbekampagne stets in den Mittelpunkt des Weihnachtsmotivs gerückt wurde. Eher ungewöhnlich wirkte in diesem Umfeld der U 140 mit asymmetrischer Haube (1994 bis 2001). Die vorläufig letzte Unimog-Generation sollte der U 20 sein. Keine Frage, er steht gestern wie heute im Schatten des eindrucksvolleren U 400. Dennoch wirkte er auf Anhieb überaus kompakt und gab mehr Zugmaschinencharakter her als sein größerer Serienbruder. Die Streueinrichtung war dafür auf der Pritsche platziert – der Schneeschild natürlich beweglich angelegt.

Und abseits des Unimog? Da profilierte sich der VW Amarok als Winterräumer mit filigraner Frontaufhängung und vorbildgerecht aufgesetzten Zusatzscheinwerfern samt stolz getragenem Schneeschild. Drei Amarok – zwei in Kommunalorange, einer in Weiß mit orangen Warnstreifen – räumten die weiße Pracht bisher.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Der Post-Museumsshop würdigte die Räum-Verdienste mit einem Trio von Unimog 406 und U 411 – einmal mit Faltdach, einmal mit Westfalia-Kabine. Schon in der Edition Historica Nr. 10 hatten die Modellgestalter vom PMS ein schmuckes Feuerwehr-Set präsentiert, bei dem der Unimog U 1700 den Streuaufsatz nach Schmidt-Vorbild trägt. Serientauglich machte Wiking inzwischen den Mercedes-Benz Kurzhauber und den Magirus-Eckhauber, als beide für den kommunalen Dienst mit Schneeschild, Streuaufbau und Tank aufgerüstet wurden.

Gerade die Kleinserien anbieter initiierten weitere Abräumer. So fuhr der Unimog U 411 mit Räumschild in die Polizei-Edition von Lechtoys. Dass der U 400 einen serientauglichen Auftritt erhielt, ist der Alltagstauglichkeit des Vorbilds zu verdanken. Vor 25 Jahren ging er bei Wiking auch als Kommunaler an den Start. Sogar der VW T2 mit Pritsche und Plane sollte sich nach Vorbild der Gemeinde Erlenbach mit aufgerüstetem Schneeschild wohlfühlen.

Passende Anzeigen, anfangs in der Wiking-Kreativschmiede Studio 70 angefertigt, machten den Wiking-Winter populär. Agenturchef Kutschinski genoss von der ersten Stunde an das volle Vertrauen von Wiking-Geschäftsführer Volker Sieper und schuf wahre Wintermärchen-Ikonen. Bis Mitte der neunziger Jahre stand immer wieder das typische Faller-Exklusivmodell von 1986, die malerische Kirche „Klosterhof“, im Mittelpunkt des Geschehens – mal auf dem schnee reichen Kirchplatz, mal im Hintergrund der Stadtidylle. Wichtigste Akteure des Winters sind aber bis heute die Wiking-Modelle geblieben.

Meistgelesen in der Rubrik Modellfahrzeug