WELTENBUMMLERDie Sammlung von Rolf Rüth

Andreas A. Berse

 · 16.09.2026

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Foto: Rolf Rüth, Hell Sinki (1)
Die 1:43-Sammlung von Rolf Rüth erzählt die Geschichte des globalen Autostylings auf etwas andere Art. Bald zu bestaunen im PS.Speicher.

Appetit kommt beim Essen, manche Idee beim Sammeln. Rolf Rüth: „Ich wusste am Anfang gar nicht, wohin mich das Abenteuer meiner Modellautosammlung führen würde. Aber: Als wir 1995 in dieses Haus gezogen sind, hatte ich endlich genug Platz dafür.“

„Ich wollte Autovielfalt in 1:43 entdecken“

Schon vorher hatte seine Frau Bettina Jäger ihm die erste Vitrine geschenkt. Rüth: „Das war so etwas wie die Ursünde.“ Und so langsam dämmerte dem heute pensionierten Chefdramaturgen: „Irgendwann habe ich mir die nun etwas besser gefüllten Vitrinen angeschaut und entdeckt, dass unterschiedliche Nationen früher auch sehr unterschiedliche Automobile entwickelten.“ Die Erkenntnis kam mit der Zeit, bedurfte schon eines ausgewachsenen Länderfuhrparks. Die Idee hinter der Sammlung, die vorwiegend aus 1:43-Verkleinerungen besteht, war es nun, eine weltweite Landkarte der Automobilgeschichte zu zeichnen, die diese kulturellen Unterschiede offensichtlich und spannend macht.

Rüth hatte schon immer ein besonderes Verhältnis zu seinen Miniaturen: „Ich habe als Kind nicht wirklich mit ihnen gespielt, ich habe eher Szenarien damit nachgestellt und sehr aufmerksam auf die Modelle geachtet.“ So finden sich in der Sammlung auch noch zahlreiche Kleinode aus seiner Kindheit. Der Kenner: „Die haben sorgfältig in Pappkartons verstaut überlebt und sind jetzt ein Teil der Sammlung, in dem viele persönliche Erinnerungen von mir schlummern.“

Rüth ist ein eher analoger Sammler, bei dem es menscheln darf: „Am Anfang war für mich die Hilfe von Andreas Bunte von Mini Auto Bunte aus Mülheim besonders wichtig. Er hat mir auch interessante antiquarische Miniaturen besorgt.“ Modellauto Budig wurde bei den Kleinserienmodellen bald eine erste Adresse. Der Designfan: „Ich stehe nicht so auf Ebay. Das habe ich nie benutzt.“ Auch ein weiterer Anbieter war für die internationalen Verästelungen des Sammlerbaums entscheidend: „Autocult bringt natürlich seit 1982 die Exoten in 1:43 perfekt ins Spiel. Viele Länder würden ohne diese Firma auf der Automobillandkarte in meiner Kollektion noch weiße Flecken sein.“

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5000 Modelle sind es jetzt insgesamt. Und der weltumspannende Parkplatz, im Haus ab dem Treppenaufgang zum ersten Stock bis unter das Dach verstaut, zieht im August um: Der PS.Speicher in Einbeck wird den Fundus in seine Ausstellung integrieren. Auf die Frage, ob das Loslassen Schmerzen verursacht, reagiert der Kopf hinter diesem unverwechselbaren Automobil-Kaleidoskop gelassen: „Das Suchen und das Finden war für mich eigentlich mehr der Reiz.

Wenn ich einen Neuzugang hatte, kam der in die Vitrine, und ich war in Gedanken schon weiter. Das Besitzen war nicht der Kern der Freude, das Finden schon eher.“

Dem Mann aus Essen war nun wichtiger, dass diese Kollektion weiterhin gesehen wird, nicht verschwindet. Und er spendiert den Einbeckern ein dickes Lob: „Ich habe ja verschiedene Museen angesprochen, aber das Team vom PS.Speicher war sehr freundlich und auch kompetent, wenn es darum ging, wie man so etwas einem Publikum präsentieren sollte.“

Wer über Jahrzehnte hinweg so viele Miniaturen zusammenträgt, der weiß auch genau, welche Modelle ihm gefallen: „Für mich kommt es ganz auf die schlüssige Karosserieform an. Ich brauche keine Rückspiegel, Antennen oder Scheibenwischer aus Fotoätzteilen.“ Die Karosserien unterscheiden die Länder, die Stylingphilosophien und Epochen. Startnummern sind in den Vitrinen von Kibri nicht zu finden und Lastwagen auch nicht.

Dafür aber Limousinen, Kleinwagen, Sportwagen und vieles mehr! Rolf Rüth schaltet schon einen Gang höher: „Denken Sie an die Straßenkreuzer mit ihrem ästhetischen Überschuss, oder an den Traumwagen von Borgward, das waren ja beinahe Raketenautos! Und denken Sie andererseits an die pfiffigen und charmanten Kleinwagen aus Frankreich, fast alle Künstler des Weglassens.“ Und manchmal gibt es sogar historische Initialzündungen: „Im Königreich gab es ja fast nur den ewigen Saloon. Da konnte man sich fragen: Kommt da noch was? Ja: 1961 der E-Type von Jaguar, unerreicht bis heute. Damals eine Provokation, inzwischen eine Design-Ikone!“

Diese Motivation ging über die Jahrzehnte hinweg nie verloren. Auch das hat einen guten Grund: „Mir war immer das Modell wichtiger, das ich nicht hatte, als eins, das schon im Regal stand.“ Und in Sachen Styling gibt es auch einen Favoriten. Rüth: „An die Italiener kommt auch beim Auto niemand ran. Die großen Vorkriegs-Alfa, aber auch die witzigen Kleinwagen – die Bandbreite ist da über die Jahrzehnte hinweg unfassbar.“ Beim ganz persönlichen Favoriten ist sich Rolf Rüth sogar mit seiner Frau einig: „Ganz klar der Mini-Wagen Peel P50 und am besten als winziger 1:87er von MAR Online. Der ist unser ultimativer Liebling.“

Inzwischen sind die Wände im Treppenhaus leer. Nur die Löcher für die Befestigungsschrauben der Vitrinen kann der Besucher noch erkennen. In mehreren Raten wurden die 5000 Exponate sorgfältig verpackt nach Einbeck zum PS. Speicher gebracht. Dort schmücken sie ab dem 19. August die Fahrzeughalle, und Besucher können im Geiste beim Betrachten durch die Welt der Automobile in 1:43 wandeln. Rolf Rüth: „Darauf freue ich mich ganz besonders!“ Fortsetzung folgt.

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