SAMMELN75 Jahre Porsche bei Wiking – Auf der Ideallinie

Ulrich Biene

 · 22.07.2023

SAMMELN: 75 Jahre Porsche bei Wiking – Auf der IdeallinieFoto: Ulrich Biene
75 Jahre Porsche-Dynamik beschleunigten auch die Fantasie der Wiking-Entwickler. Eine etwas andere Startaufstellung in 1:87.
Auch der Generation G-Modell widmete sich Wiking beim Thema Porsche 911 ausführlich mit seinen Kunststoffmodellen
Foto: Ulrich Biene

Es war 1961 der erste verglaste Porsche im Wiking-Programm:

Das 356er Cabrio fuhr stolz ins Sortiment, und doch war der Zweisitzer nach drei Jahren urplötzlich wieder verschwunden. Der Porsche-Auftritt war damit zwar denkbar kurz, aber das hatte aus Sicht von Wiking-Chef Fritz Peltzer einen triftigen Grund. Der kleine Flitzer mit Karosserie, Bodenplatte, Frontverglasung und Vordersitzen samt verklebtem Insassenpärchen missfiel dem modellbauerisch beflissenen Inhaber. In einem Gespräch zu Beginn der achtziger Jahre machte Peltzer keinen Hehl daraus. Der einstige Tierheftverleger bemühte einen Vergleich aus dem Reich der Insekten und sprach von einem „kleinen Skarabäus“. Gemeint war die Modelloptik, die seiner Meinung nach eher einem Mistkäfer als dem wunderschönen Vorbild aus Zuffenhausen ähnelte. Ursächlich war der modellbauerische Buckel, der die Karosserie auf den ersten Blick etwas plump wirken ließ. Der Vergleich mit dem Käfer war womöglich überzogen, doch Peltzer strich das 356er-Cabrio aus dem Programm. Heute weiß man, dass diese kuriose Episode aus dem Lichterfelder Stammsitz zum Modellmythos beigetragen hat und genau jenes Porsche Cabrio unvergesslich machte. Drei Jahre im Programm bedeutete vor mehr als 60 Jahren bescheidene Stückzahlen – für ein Raritätendasein war dieses Modell nach Zuffenhausener Original damit prädestiniert! Nur in azurblauer und changierend purpurroter Karosserie kam das Cabrio zur Auslieferung – erst in der Millenniumsedition Ende 1999 wurde die Legende wiederbelebt.

Inzwischen können sich Sammler dank der revitalisierten Formen über Wiederauflagen mit attraktiven Finishings freuen. Das Porsche 356 Cabrio ist längst ein richtiger Wikinger geworden! Dabei hatte die Porsche-Geschichte bei Wiking viel eher begonnen, nämlich als 1952 der unverglaste Porsche 356 als Coupé debütierte. Als Drahtachser musste er für den Übergang zur Rollachsergeneration herhalten, bevor die gleiche Karosserie 1954 eine Bodenplatte erhielt. Dort waren geschlossene Achshalterungen vorgesehen, die bei den Jungs von damals Begeisterungsstürme auslösten. Fortan lief der Sportwagen pfeilschnell über den Küchentisch. Weil Fritz Pelzer seine Modelle mit viel Verständnis fürs Autospiel auf den Weg brachte, hatte er in der Bodenplatte eine kreisrunde Öffnung vorgesehen, um den Zuffenhausener Flitzer für den Abschleppwagen nutzbar zu machen.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Als die Berliner Modellbauer 1958 ihre Modellneuheiten mit Verglasung vorstellten, blieb der unverglaste 356er noch zwei weitere Jahre im Programm. Noch ein Klassiker nach Porsche-Vorbild sollte früh modell-bauerischen Meilensteincharakter erhalten. Weil der Motorsport Ende der fünfziger Jahre beschleunigte, entschied sich Fritz Peltzer für die Miniaturisierung des 550 Spyder. Der Spyder mit schneeweißem, helmgeschütztem Rennfahrer stach schon deshalb ins Auge, weil die Karosserie in silbergrauen Granulat abgespritzt war. Sichtbar blieben lediglich feine Fließnähte, die zu jener Zeit niemanden störten. Als zeitgenössischer Rennwagen gelangte 1965 zusätzlich der Porsche 904 Carrera ins Programm und hielt die Stellung bis 1989 – ein eher stiller, aber umso erfolgreicherer Dauerläufer.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Doch in der Zwischenzeit hatte sich am Berliner Wiking-Stammsitz„Unter den Eichen 101“ einiges getan. Klaus-Dieter Hinkelmann war in den Sechzigern zu Wiking zurückgekehrt und hatte alsbald die Betriebsleitung übernommen. Der ambitionierte Motorsportenthusiast, der gern mal mit seinem nagelneuen 911 bei ADAC-Rennen über die Berliner Avus bretterte, vermisste sein Renncoupé im Wiking-Programm. Kein Wunder, dass Hinkelmann seinem Chef die Miniaturisierung eben dieses Vorbilds nachdrücklich empfahl. Fritz Peltzer, der bei Modellentscheidungen wie so oft eher zögerlich denn kurzentschlossen war, zauderte zunächst. Zu guter Letzt gab er dem ambitionierten Bestreben seines Betriebsleiters den Segen – der Neunelfer wurde 87-fach miniaturisiert und in den Folgejahren immerhin zum Stückzahlenrenner. Das Modell sollte von 1967 bis heute sogar zum meistgebauten Wiking-Porsche aufsteigen. Der Porsche 911 war attraktiv und in seiner Form unverwechselbar. Wiking brachte ihn bei Märklin mit beiger, oranger und roter Karosserie als Ladegut unter.

1984 aktualisierte Wiking seine Porsche-Präsenz und hauchte neuen Formen aktuelles Neunelfer-Leben ein. Die Detailoffensive war im 1:87-Segment längst angekommen – den Kühlergrill setzten die Berliner ebenso als Einzelteil ein wie die Rückleuchten. Vorn erschienen die Scheinwerfer vorerst noch behelfsmäßig gesilbert. Das änderte sich 1991 mit dem Porsche Carrera 4, der ebenfalls als Coupé und Cabrio gebaut wurde. Besonderer Hingucker: der bewegliche Heckspoiler. Als Kontrapunkt dazu wurde 1995 die letzte Version des Porsche 356 fürs Klassikerprogramm ultrafein 87-fach verkleinert. Eingesetzte Scheinwerfer und Stoßstangen, von der die unverglaste Version anno dazumal nur träumen durfte, waren jetzt selbstverständlich.

2009 gab es abermals eine Porsche-Premiere. Und das mit Flower-Power! Wiking hatte sich des VW-Porsche 914 angenommen. Nach einer konstruktiven Zusammenarbeit von Volkswagen und Porsche war der Typ 914 im Herbst 1969 mit einem luftgekühlten Boxermotor an den Start gegangen. Die Andersartigkeit dieses Porsche brachte dem ungewöhnlichen Zweisitzer mit Mittelmotor und abnehmbarem Targadach zuweilen auch Häme ein: „Kohlenkasten“ wurde er aufgrund seiner kantigen Form genannt. Auch mit „Vopo“, was gleichbedeutend mit „Volksporsche“ war, konnte nur der Porsche 914 gemeint sein. Dass Wiking seine lange Porsche-Geschichte pflegt, wird alle Jahre wieder deutlich. Inzwischen hat die Marke die Formen aller verglasten Modelle revitalisiert. Feinste Zierleisten dürfen am Neunelfer der Sechziger nicht fehlen, wenn die Karosserie in authentischem Klarlackfinish erscheint. Ehre, wem Ehre gebührt.

Meistgelesen in der Rubrik Modellfahrzeug