Andreas A. Berse
· 04.01.2022
Nein, wenn mir in den Sechzigern in meiner Heimat, dem Ruhrpott, einmal ein Elfer von Porsche begegnete, dann fuhr der nicht einfach an mir vorbei, er brauste. Den lautmalerischen Anspruch des Verbs nutzt Thorsten Sabrautzky für den Namen seines neuen 1:43-Labels: Brausi! Sabrautzky ist für die Kleinserienfans kein Unbekannter mehr, seit er vor einigen Jahren erfolgreich ein Label der etwas anderen Art aus der Taufe hob. Unter dem Namen Autopioneer gibt es seitdem 1:43-Kleinodien aus Resine, die meist Vorbilder aus der Vorkriegsära besitzen, die nur in geringsten Stückzahlen produziert wurden oder gar Unikate waren. Der neue Anbieter erschafft passend dazu 1:43-Raritäten, die auf je 50 Stück limitiert sind.
Damit das Budget beim Sammler nicht gesprengt wird, gibt es nur zwei Neuheiten pro Kalenderjahr. Weniger ist eben mehr! Aber irgendwie scheint der Motor hinter Autopioneer, der sehr gerne im Strandkorb entspannt, damit nicht ausgelastet zu sein. Also musste nach reiflicher Überlegung eine andere, neue Marke her, um den 1:43-Fuhrpark aus eigener Produktion aufzustocken. Gesagt, getan, und MODELL FAHRZEUG kennt die Hintergründe. Keine Angst: Bei Brausi wird nicht alles anders. Die 1:43-Modelle sind in Resine handwerklich sauber gefertigt. Es bleibt bei Klassikern, aber die können auch mal aus den Fünfzigern bis Siebzigern stammen.
Es bleibt bei interessanten Limitierungen: 200 statt 50 wie bei Autopioneer. Aber vor allem: Es bleibt bei Vorbildern, die überraschen, uns Fans ein Augenzwinkern entlocken oder aber atemberaubende Geschichten erzählen. Man nehme einmal an, Mercedes- Benz, Porsche und VW hätten 1972 gemeinsam einen einsitzigen Roadster für die Straße gebaut. Genau einmal und um ihn zu verschenken, an Reza Pahlavi II. Das Unikat des MPV steht heute in einem Orange, das an den Mercedes C 111 erinnert, im Teheraner Automobilmuseum. Als Erstling ist das schon einmal eine starke Nummer unter dem Namen Brausi. Aber es kommt noch besser! Denn MODELL FAHRZEUG kennt schon die zweite Brausi-Neuheit. Der ’55 Cadillac „Die Valkyrie“ aus der Feder des Designers Brooks Stevens ist ein V8- Heckflosser, der eindrucksvoll auf einem Series-60-Chassis mit 338 Zentimetern Radstand daherkommt.
Eine hochwertige weiß-schwarze Lackierung und Unmengen an Chrom sowie eine Frontansicht, die mit dem Thema V8 auch optisch flirtet, stellte hier auch die chinesischen Entwickler und Produzenten vor atemberaubende Herausforderungen. Das Ergebnis ist ein 1:43-Modell, das Respekt einflößend und filigran zugleich bald in der Vitrine parkt. Die Vorbild-Karosserie baute übrigens Spohn aus Ravensburg – der Produzent zahlreicher Maybach-Entwürfe. Während die ganze Branche mit Lieferschwierigkeiten kämpft, bleibt Thorsten Sabrautzky sehr zuversichtlich, dass zumindest der orange MPV Teheran noch in diesem Jahr zu den Fans braust. Preis: wohl zwischen 90 und 100 Euro.