Da stehen die Cabrio-Klassiker für automobile Sonnenanbeter parat: Karmann Ghia, Opel Rekord P1, Ford Taunus 17M oder DKW Junior. Es sind allesamt modellbauerische Derivate, die es verdient haben, die große Welt der kleinen Miniaturen zu bereichern. Und das alles selbstverständlich aus historischen Wiking-Formen. Das Dach sorgfältig abgetrennt, die Windschutzscheibe und das Interieur samt Lenkrad eingefügt. Dazu das Bauteilfinishing mit Persenning. Fertig ist eines jener Cabrios, deren Machart bereits Generationen von Wiking-Umbauern begeisterte – „handmade“, versteht sich.
Heute praktiziert Wiking Manufaktur-Arbeit ab Werk und liefert die an der Montagebank handgefertigten Miniaturen in Serie aus. So lassen die Traditionsmodellbauer die legendären Cabrios endlich in Sammlerhand fahren. Entstanden sind Freiluftversionen, die konsequent die Wiking-DNA jener Jahre verkörpern – also Schlichtheit und Stilisierung, aber mit der Authentizität, für die Modellbaumeister Alfred Kedzierski bürgt.
Der Rückblick lohnt, weil er einen Einblick hinter die Kulissen von Wiking-Modellbau in der Backsteinvilla an der für Wiking-Freunde legendären Adresse „Unter den Eichen 101“ in Berlin-Lichterfelde zulässt. Es war Horst Gruttke, der schon Ende der Sechziger von seiner ureigenen Modellidee ein perfektes Muster baute und es auf dem Schreibtisch von Wiking-Chef Fritz Peltzer präsentierte. In einer ruhigen Stunde hatte sich Gruttke, der als junger Kerl in die Werkzeugbauertruppe unter Ruppert Blümcke eingetreten war, an das Karmann Ghia Coupé in 1:90 gemacht, um ein passendes Cabrio zu fabrizieren. Wohlgemerkt als Unikat. Gruttke schnitt die Karosserie sorgsam zurecht. Seine Karosserielinie führte zwei Millimeter über die Windschutzscheibe, sodass diese optisch wie eingefasst wirkte.
Für Horst Gruttke bedeuteten Wiking-Modelle seinerzeit mehr als nur Arbeitsalltag. Der Berliner brachte den Miniaturen höchste Wertschätzung entgegen. Doch der Werkzeugbauer erntete bei der Cabrio-Vorstellung am Schreibtisch von Fritz Peltzer neben wohlwollender Anerkennung nur ein Kopfschütteln. Peltzer war im Hinblick auf das Gesamterscheinungsbild penibel, besonders bei der Verglasung. So blieb Gruttkes Karmann Ghia ohne Dach ein Einzelstück. Ganz nach seiner Machart waren auf der Nürnberger Spielwarenmesse 2026 neben den bereits ausgelieferten Cabrios von Opel Rekord P1, Ford Taunus 17M, Karmann Ghia und DKW Junior sogar die Silberlinge des DKW F 89, VW 1600 und Opel Ascona B zu sehen. Die Manufakturarbeit bei Wiking-Cabrios geht also 2026 weiter.
„Cabriolets sind einfach pure Wiking-DNA“
Wiking-Chef Fritz Peltzer besaß ein glückliches Händchen bei der Wahl der Freiluftversionen aus den Wirtschaftswunderjahren. Alle Modelle fanden in der Zwischenzeit immer wieder in die Serie zurück. Bereits 1955 nahm sich Wiking des Volkswagen Käfer Cabrios an, ersetzte den klobigen Windschutzscheibenrahmen durch eine einteilige Verglasung. Es lief erst aus, als der VW 1302 LS von 1972 bereitstand. 2007 folgte dann die Klassikeroffensive mit dem Käfer 1200 Cabrio aus komplett neuen Formen und mit einem Zugewinn an Filigranität. Typengerecht arbeitete Wiking bei den gut und gern zwei Dutzend modellgepflegter Käfer Cabrios mit attraktiven Kombinationen von Karosserie und Interieur – der Käfer läuft und läuft.
In der Geschichte der verglasten Modelle wurden rund drei Dutzend verschiedene Typen in Stahl ge-fräst. Den Auftakt machte 1955 der Jaguar XK 120 gemeinsam mit dem ersten Käfer Cabriolet. Mit einer modellbauerischen Beständigkeit von etwa drei Modellen pro Jahrzehnt unterstrich Wiking die Bedeutung der „Open-Air-Versionen“, wobei Mercedes-Benz und VW das Ranking anführen.
Die frühen Cabrios besaßen Stil und Charakter. Nach dem Mercedes 190 SL Roadster von 1957 folgte ein Jahr später der 220 S. 1961 bereicherte der 300 SL Roadster das Sortiment, zwei Jahre danach der 300 SE. Die berühmte Pagode feierte 1965 Premiere, bevor sich Wiking-Chef Fritz Peltzer 1973 für das 540 K Cabriolet begeisterte. Zu den Vorkriegsklassikern gesellte sich der Audi Front hinzu. Später erschienen aus neuen Formen erneut der 300 SL sowie der damals fabrikneue 500 SL (R 129).
Im Gegensatz dazu blieb BMW unterrepräsentiert: Auf den klassischen 328 Roadster von 1975 folgten das 325i E30 Cabrio (1987) und der 325i E36 (1994). Auch das BMW 1600 GT Cabrio, das zeitgleich mit seinem Vorgänger, dem Glas 1700 GT, präsentiert wurde, wirkt schmuckvoll und kann dem 507 durchaus das Wasser reichen. In den Neunzigern konzentrierte sich Wiking verstärkt auf britische und US-Cabrio-Träume wie Austin Healey 3000, Chevrolet Corvette C1, Triumph TR4, MG A 1600 und Jaguar E-Type. 2012 stieß das Ford Mustang Cabrio hinzu. Ergänzt wurde die Chronologie durch den Mazda MX-5 und den eleganten Alfa Romeo Spider.
Die Wiking-Geschichte wäre ohne Porsche nicht komplett. Mit dem frühen 356 A, dem 911 SC 3.0 und dem 911 Carrera 4 blieben keine Wünsche offen. Bei VW erweiterten der Apal Jet Buggy, der VW 181 sowie die ersten beiden Golf-Cabrio-Generationen den Fuhrpark. Moderne Typen wie VW Eos oder Audi TT und A4 vervollkommneten das Thema.