Kleinserien-InsiderFabrizio und sein 1:43-Erbe

Andreas A. Berse

 · 27.08.2023

Kleinserien-Insider: Fabrizio und sein 1:43-ErbeFoto: AutoShow.at
Wie bei kaum einem anderen Hersteller hing das Schicksal von Pit Models an einer Person: Fabrizio Pitondo. Der Charakterkopf entwickelte Porsche-Miniaturen in 1:43, die ungewöhnliche Vorbilder nachzeichneten und in einer unverwechselbaren Machart aus Resine gefertigt wurden. Die Marke hat den viel zu frühen Tod ihres Motors überlebt. Ein Team, das sich in der handwerklichen Tradition von Pitondo sieht, schreibt die Geschichte von Pit Models fort.
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Foto: AutoShow.at

Fabrizio Pitondo startete wie so viele Kleinserienhersteller: Als Umbauer. Einem italienischen Journalisten diktierte er einmal ins Notizbuch: „Mein erstes Projekt war ein Fiat 600 von Mercury, den ich in einen Abarth 850 aus dem Nürburgringrennen umbaute.“ Das war aber nur der Anfang: Modellautofan Pitondo mutierte schnell vom Umbauer zum Miniaturenkünstler, der seine Projekte komplett in Eigenregie realisierte. Der Wendepunkt kam 1983. Der Enthusiast: „Ich hatte einen ungewöhnlichen IMSA-Porsche 911 Targa gebaut, der in Watkins Glen gefahren war. Ein italienischer Sammler, Giancarlo Mantovani, fand diese 1:43-Miniatur so interessant, dass er mich beauftragte, eine Kleinserie zu bauen.“ Der Start war schwierig und die Zusammenarbeit nicht ohne Friktionen, aber dieses Projekt war der Anfang von Pit Models. Das Fachgeschäft Zeppelin in Mailand wollte den exklusiven Vertrieb. Eines war sicher: Sein Modell war gut und so attraktiv, dass es bei den Händlern, die ihren Markt gut kannten, Begehrlichkeiten weckte.

Pitondos Entschluss stand fest: Er würde weitermachen, und das Abenteuer Kleinserien-Produzent konnte beginnen. Projekt Nummer zwei wurde der Porsche 914, den der Könner in der Monte-Version von Waldegard nachbaute, aber auch schon schnell in weiteren, von der Deko her originelleren Varianten, darunter auch den damals noch nicht veröffentlichten 916er.

Ein besonderes Interesse riefen bei Pitondo die amerikanischen Rennversionen hervor. Der Modellmagier: „In den Vereinigten Staaten sind extrem veränderte Karosserien Mode, und bei den Dekorationen setzen diese Rennwagen oft sehr schrille und gewagte Akzente. Das gefällt mir einfach. Und es gibt sicher Kunden für solche 1:43er.“ Aber Pitondo war nicht nur ein Könner, sondern er war bei der Umsetzung seiner Modellauto-Träume in 1:43 fast so schnell wie ein echter Porsche auf der Piste. Schon im Frühjahr 1985 gab es 15 verschiedene Porsche 914/6 von seiner noch jungen Marke Pit Models zu kaufen. Weiter ging es mit den Porsche-Typen 930 Gruppe B, 908 Spider und einem speziellen 356er, den der Besitzer des Originals in Auftrag gegeben hatte. Aus diesem Auftrag entstand eine ganze Serie. Sein Credo formulierte der clevere Unternehmer einmal so: „Meine Politik ist es, das zu tun, was andere nicht tun.“ Auch in der Technik legte Pit nach. Die Decals wurden immer besser, Fotoätzteile beamten die Detaillierung in eine andere Dimension. Das größte Problem der Modellautomarke blieb aber die Lieferfähigkeit. Vor allem, als die US-Sammler auf die schrillen Fahrzeugminiaturen aus Italien aufmerksam wurden. In seinem Labor in Verona hat er stets daran gearbeitet, noch etwas besser und damit auch noch etwas unverwechselbarer zu werden. Es ist ihm bis zu seinem Tod gelungen. Und es wird den Porsche-Sammlern eine große Freude bereiten, dass dieser Anspruch, den Pitondo mit seinen Miniaturen in 1:43 wahrlich gelebt hat, nun auch fortgeschrieben wird. Unsere Fotos der Raritäten von Pit Models stammen von AutoShow.at aus Wien. Neue Modelle kosten 169 Euro, antiquarische auch 250 Euro und mehr.

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