DreiklangDie Mercedes-Evolution bei Conrad in 1:50

Andreas A. Berse

 · 04.10.2022

Dreiklang: Die Mercedes-Evolution bei Conrad in 1:50Foto: C. Hoffmann

Die Evolution vom kubischen Mercedes über den SK bis hin zum Actros ist auch in der Baugröße 1:50 höchst interessant.

Deko, die Feinheit der Gravuren, die deutliche Verbesserung der Interieurs zeigen den Fortschritt der Mercedes-Lkw en miniature
Foto: C. Hoffmann

Als der kubische Mercedes 1963 sein Debüt gab, baute Conrad, gegründet 1956 vom Senior Ludwig Conrad, vor allem Zubehör für die Modelleisenbahn und entwickelte den Regler für eine fränkische Rennbahnlegende. 1970 übernahm der Pionier die Nürnberger Spielwarenfabriken Gescha und Strenco, und fortan rückten auch Modellautos und Zinkdruckguss als Material in den Fokus. Heute beschäftigen die Kalchreuther 90 Mitarbeiter, investieren pro Jahr zwei Millionen Euro in ihre Neuheiten und fertigen Lastwagen und Baumaschinen, vorwiegend in 1:50 und schwerer Die-Cast-Qualität. Drei Brummis haben wir ausgesucht, um die Evolution dieser fünf Jahrzehnten Revue passieren zu lassen. Alle sind im Maßstab 1:50 gehalten.

Verlagssonderveröffentlichung

1969 debütierte der kubische Mercedes-Benz bei den Mittelfranken, 1973 folgte die nächste Generation, die „Schwere Klasse“, kurz SK, und heute ist selbstredend der Mercedes- Benz Actros das Maß aller Dinge. Bei aller Veränderung gibt es auch rote Fäden, wie der Vergleich der Sattelzugmaschinen deutlich macht: Der Löwenanteil der Teile besteht aus Zinkdruckguss, alle Verkleinerungen sind ungewöhnlich robust und liegen angenehm schwer in der Hand. Der dreiachsige kubische Mercedes wiegt 188 Gramm, der zweiachsige SK bringt es auf 196 Gramm, und der dreiachsige Actros kommt auf fast ein halbes Pfund, exakt 244 Gramm. Wenn sich ein Fan das Trio an - schaut, wird er vor allem zweierlei bemerken: Die Filigranität nimmt zu, die Perfektion in der Montage auch. Die Teilezahl explodierte förmlich von 33 auf 79.

Und: Der Erstling hat überhaupt keine Dekorationen, der SK immerhin einen silbern aufgedruckten Stern auf der Haube, beim Actros sind es ohne Speditionsdeko fünf Drucke und zwei Prägeverzierungen. Der modernste 1:50er zeigt natürlich Proportionen, die dem Original mit CAD aus dem Gesicht geschnitten sind. Dafür haben der Kubische und der SK aber den Charme einer Stilisierung. Conrad-Tradition durch fünf Jahrzehnte sind die lenkbaren Vorderräder, der SK hat zudem eine Kippkabine.

Außerdem gilt: Die Fahrwerke wirken trotz weniger Bauteile in vielen Bereichen erstaunlich vorbildgetreu. Achsen, Kotflügel, Tanks für Diesel und Druckluft – alles ist an seinem Platz. Den schwächsten Eindruck hinterlassen bei den Oldies die Interieurs, meist ein Bauteil mit eingestecktem Kunststofflenkrad. Natürlich ist der heutige Mercedes- Benz Actros in vielen Belangen auf den ersten Blick überlegen. Aber: Er fungiert auch als ein Sammlermodell, während seine beiden Vorgängen auch als hochwertiges Spielzeug ihre Visitenkarten im Kinderzimmer hinterließen. Charakter zeigen alle drei 1:50-Brummis!