Die Modellauto-Sammlung von Rallye-Europameister Michael StoschekDer Querlenker

Andreas A. Berse

 · 10.05.2026

Michael Stoscheks 911 S/T als fantastisches 1:43-Modell am Original
Foto: Markus Bolsinger
Wie sammelt der Brose-Chef und Rallye-Europameister Modellautos? Mit einem klaren Blick für die Details und faszinierende Millimeter-Arbeit.

Wenn ich am Start einer Rallyeprüfung im Auto sitze, bin ich voll konzentriert und vergesse die Welt um mich herum. Bei der Vorbereitung eines Rennwagens ist Präzision unerlässlich. Deshalb auch meine Liebe für ungewöhnlich präzise Modelle.“

Wir treffen Michael Stoschek, sitzer des Auto-Zulieferers Brose, in der Halle, in der seine Renngeräte in 1:1 parken. Hier stehen die passenden Miniatu-ren auf den Dächern der Originale. Neben dem rot-weißen 911 S/T 2.5 – den Larrousse bei der Monte fuhr und mit dem Stoschek die Rallye-Europameisterschaft gewann – sind es zahlreiche weitere Elfer: ein grüner 911 2.0 mit kurzem Radstand, ein ‘84 Porsche 911 SC-RS Gruppe B im „Rothmans“-Look, ein „Belga“-SC/RS von 1985 oder der weiße Carrera RSR, mit dem Emerson Fittipaldi 1974 in der IROC-Serieantrat. Alle parken in einer Halle neben seinem Wohnhaus – immer auch en miniature!

Aber Michael Stoschek hat noch ein ganz anderes Lieblingsauto: „Der Lancia Stratos hat mich immer wieder fasziniert.“ Also hat er sich einen gekauft und mit der ihm eigenen Präzision zu einem Gruppe-4-Fahrzeug umbauen lassen. Der Stratos ließ den Fan eines kompromisslosen Renngeräts nun nicht mehr los, bis er sich überzeugen ließ, bei Pininfarina den „New Stratos“ in Auftrag zu geben.

Wie sammelt so ein Enthusiast? Die Kollektion, es sind wohl mehr als 400 Stück, konzentriert sich auf die eigenen Fahrzeuge wie BMW-Rennwagen, den Audi Sport quattro oder die Alpine A 110. Denn Letztere gehört auch zum 1:1-Fuhrpark, inklusive der aktuellen Schwester von heute.

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Es gibt einige Überraschungen zu entdecken. Etwa den Stratos Gruppe 4 von Amalgam in 1:5. Wie kann das sein, obwohl man einen solchen Stratos nicht auf der Webpage der Manufaktur findet? Stoschek: „Amalgam hatte die Formen für Signore Ferragamo angefertigt, und wir haben dann damit mein Auto bis in den letzten Millimeter in 1:5 genau aufbauen lassen.“ Stoschek war auch an der Modellautofirma aus Bristol beteiligt. Sogar seinen New Stratos gab es deshalb in 1:8 und 1:43 bei Amalgam zu kaufen. Beide sind aber längst vergriffen. Michael Stoschek: „Plötzlich sind diverse 1:43-Modelle vom ,New Stratos‘ aufgetaucht. Einige mit Lizenz, andere ohne – aber das war mir egal.“

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Ein weiteres Fahrzeug sticht in der Miniaturensammlung besonders hervor: „Vom Alfa Romeo 33 Stradale hatte ich zuerst diverse Modelle und erst danach das Original. Sonst war es bei mir umgekehrt.“ Die Sammlung in den Vitrinen ist beeindruckend, startet mit einem Resinemodell von DMH in 1:8 und reicht über den 1:12er von Premium Classixxs, den 1:18er von Autoart, mehrere 1:43er von Minichamps und Co bis hin zum 1:64er von Kyosho, zum 1:87er von BoS sowie zu einem winzigen Modell im Maßstab 1:160.

Auch der Klassiker Alfa Romeo 33 Stradale im Maßstab 1:1 ist eine Besonderheit. Michael Stoschek: „Wir haben vier Jahre an der Replika gebaut. In Italien entstand die Karosserie, in der Schweiz die Technik.“

Bei den Verkleinerungen von seinen Rennwagen interessiert sich Stoschek für die Details: „Deshalb mag ich auch Miniaturen mit beweglichen Türen und Hauben lieber. Ich will möglichst viel Technik sehen.“ Darum parken hier viele Unikate en miniature. Stoschek: „Wenn ich eine geeignete Basis gefunden habe, baut mir der Experte Manfred Brüggemann aus Mönchengladbach alle Details um. Er macht das einfach klasse, und ich bin jedes Mal begeistert, wenn ein weiteres Auto von ihm ankommt!“ So hat er etwa einen silbernen 911 2.8 Liter RSR von DeAgostini in 1:8 sagenhaft optimiert.

„Ich möchte möglichst viel Technik sehen“

Beim Modell ist der Kenner erst spät zufrieden – so wie im Training mit der Ideallinie für eine Kurvenkombination: „Wenn ein Aluminium-Wagenheber im Kofferraum liegt, dann möchte ich den auch genauso im Modell unter der Haube sehen.“ Und dass Technik-Freak Stoschek auch ein paar mehr Leitungen und Nebenaggregate in einem Motorraum schätzt, versteht sich von selbst.

Da kann es schon einmal ein paar Monate dauern, bis der perfekte Schatz in der Vitrine parkt. Der Sammler: „Meine Tochter schüttelt immer den Kopf, wenn sie meine Modellautos sieht. Sie findet es spießig, wenn die 1:18-Modelle auf dem Dach des Originals stehen. Aber ich mag diese Verbindung zwischen Groß und Klein. “

Die Detailversessenheit darf dann auch mal von der Stange sein, wie bei dem Alpine-Modell der klassischen A 110 von Ixo Collections in 1:8: „Was in diesem Modell in Serie an Finessen steckt, begeistert mich immer wieder.“ Stoschek öffnet die Tür und dreht mit der winzigen Kurbel das Fenster herunter. Ein verschmitztes Lächeln huscht über sein Gesicht: „Ist das nicht herrlich?“ Modelle können genauso Emotionen auslösen wie ein perfekter Drift!

Manchmal ist der Auto-Enthusiast aber auch ein echter Romantiker. Er holt ein kleines, grünes 1:43-Modell eines Mercedes-Benz 300 SEL aus der Vitrine und zeigt mit dem Finger auf ein winziges Hufeisen, das den Kühlergrill ziert: „Das ist unser Hochzeitsauto. Die Kennzeichen stimmen, und das Hufeisen auch.“ Der Beweis lässt nicht lange auf sich warten. Denn die große, klassische S-Klasse parkt selbstverständlich im Maßstab 1:1 im Traumzustand in der Halle, und auf dem Dach hat Stoschek extra für unseren Fototermin auch noch das passende 1:18-Modell platziert – individualisiert bis in die pergamentfarbene Polsterung hinein. Und auch das veritable Autoart-Modell – perfektioniert von Manfred Brüggemann – ziert ein Hufeisen im legendären Mercedes-Grill.


Dieses Buch
 zeichnet seinen Weg eindrucksvoll
 nach – bis heute 
(Delius Klasing Verlag: „Die 
Legende kehrt zurück“, 274
 Seiten, 49,90 
Euro).Dieses Buch zeichnet seinen Weg eindrucksvoll nach – bis heute (Delius Klasing Verlag: „Die Legende kehrt zurück“, 274 Seiten, 49,90 Euro).

Das Buch

Gérard Larrousse startete am 21. Januar 1972 mit seinem 911 2.5 S/T bei der 41. Rallye Monte Carlo – und erreichte als Zweiter des Gesamt-Klassements das Ziel. Die Chassis-Nummer dieses heute legendären Rallyewagens lautete: 911 230 0041. Nach seinem Auftritt in Monaco fuhr der Wagen im Mai ’72 das 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring und startete noch einmal bei der Rallye des Cévennes. Danach verloren sich die Spuren des Porsche-Werkswagens. Dieses Buch zeichnet seinen Weg eindrucksvoll nach – bis heute (Delius Klasing Verlag: „Die Legende kehrt zurück“, 274 Seiten, 49,90 Euro).

Zu den komplexesten Umbauten, die Manfred Brüggemann im Auftrag für den Rallye-Piloten vollendet hat, gehört zum Beispiel das Unikat des silbernen Porsche 911 Carrera 2.8 RSR von Michael Stoschek, das auf Basis eines 1:8-Kits von DeAgostini entstand. Virtuose Brüggemann: „In diesem großen Maßstab kann man in Sachen Finessen aus dem Vollen schöpfen.

Egal ob Aluminium, Kunststoffe aller Art oder auch ab und zu Fotoätzteile – ich benutze ganz unterschiedliche Materialien.“ Sogar Abziehbilder zur vorbildgerechten Dekoration stellt Brüggemann selbst her. Der Experte erinnert sich: „Ich kenne Herrn Stoschek schon seit den Achtzigern. Da hat er in meinem damaligen Geschäft eingekauft. Er ist ein sehr anspruchsvoller Kunde, der genaue Vorstellungen hat. Aber er weiß meine Arbeit auch zu schätzen. Und das macht Spaß.“ Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für solch einen Umbau? Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten: „Improvisationstalent, ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen sowie eine gesunde Portion Optimismus.“

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