Andreas A. Berse
· 23.05.2026
Was für ein Projekt! Als Tyrrell- Designer Derek Gardner dem dreifachen F1-Champ Jackie Stewart auf dem Rückflug vom GP in Südafrika 1975 von seinem Einfall erzählte, verschluckte der sich erst einmal auf Flughöhe. So sensationell kam dem Weltmeister diese Idee vor.
Genie Gardner trieb etwas ganz anderes an, eine gewisse Langeweile: Er wollte endlich mal einen grundsätzlich anderen F1 bauen. Das ist ihm vor 50 Jahren dann äußerst nachhaltig und unübersehbar gelungen. Der Tyrrell P34, so hieß der Wagen, hatte sechs Räder, und vier davon waren lenkbar. Das Rauschen im Blätterwald der Motorsport-Presse erreichte sofort Orkan-Stärke. Ken Tyrrell gab der Idee seinen Segen, streckte die Fühler Richtung Goodyear aus für die nötigen Mini-Reifchen vorne, und laut Jody Scheckter wussten selbst die Fahrer zunächst nichts von dem Geheimprojekt. Ein Original steht übrigens im Technik-Museum in Sinsheim!
Scheckters Wagen lieferte auch das Vorbild für eine 1:8-Miniatur als Fertigmodell aus Resine, die Spark erstmals in diesem Jahr auf der Retromobile in Paris gezeigt hat. Dieser P34 gewann mit dem Südafrikaner hinter dem Lenkrad den Grand Prix von Schweden in der Saison 1976. Es sollte der einzige Sieg bei den 30 Starts des Geniestreichs in den F1-Saisons 1976 und 1977 bleiben. Hintergrund: Den theoretischen Vorteil der besseren Aerodynamik machte die langsamere Weiterentwicklung der speziellen Reifen, die eben nur ein Team brauchte, wieder wett. Scheckter behauptete bis zu seinem Weggang bei Tyrrell, dass „der Wagen ein Haufen Schrott“ sei.
Egal: Das 1:8-Modell widmet sich mit beeindruckender Tiefe einem unvergesslichen Meilenstein der Königsklasse, der für waghalsigen Innovationsmut steht. Interessenten sollten 4900 Euro bereithalten, erhalten dafür aber ein kleines Kunstwerk – eines auf sagenhaften sechs Rädern.