Andreas A. Berse
· 04.05.2024
Es ist fast genau 35 Jahre her, dass Bburago das 1:18-Modell auf den Markt brachte, das diesen Namen schlagartig weltberühmt machte: den Ferrari F40 in Rot. Für über 1000 Mark wurde die Miniatur in „auto motor und sport“ damals angeboten, obwohl sie wenig später im Laden für knapp 30 zu haben war.
Kommt jetzt erstmals ein roter 1:18er, der es mit dieser Ikone vom Erfinder dieses Maßstabs aufnehmen könnte? Sagen wir es so: Dieses Modellautojahr wird das Jahr des Ferrari 499P, mit dem Maranello nach fast sechs sieglosen Jahrzehnten 2023 in Le Mans gewinnen konnte. Allein in 1:18 sind neben Bburago BBR, Looksmart und Amalgam definitiv mit ihren Entwicklungsabteilungen auf der Zielgeraden unterwegs.
Der Le-Mans-Sieg selbst klingt wie ein Märchen aus tausendundeiner Runde. Und Pinocchio wird da keine lange Nase wachsen müssen! Das neue Hypercar-Reglement ließ in Maranello überhaupt erst die Idee heranreifen, in Le Mans wieder um den Gesamtsieg fahren zu wollen. Dafür entwickelte die Marke einen komplett neuen V6-Biturbo mit 120 Grad Bankwinkel, der als tragendes Teil im verwindungssteifen Chassis ruht. Das Hauptaugenmerk für die Entwicklung des 499P definiert GT-Designchef Ferdinando Cannizzo so: „Unser Ziel bestand darin, maximale Performance und optimale Reifennutzung über den Stint gerechnet miteinander zu verbinden.“ Ein weiteres Element kam beim epischen Sieg im letzten Jahr an der Sarthe hinzu: Das Ferrari-Team – in der Formel 1 reihte es 2023 Fehler an Fehler – lieferte über einen Renntag in Frankreich die beste Arbeit aller Teilnehmer ab, und die Startnummer 51 mit Alessandro Pier Guidi, James Calado und Antonio Giovinazzi fuhr als Erster über die Ziellinie. Sogar die Konkurrenten zollten Maranello Respekt. Und: Was für ein Geschenk zu Enzo Ferraris 125. Geburtstag!
Auch bei Bburago könnten bald die Champagner-Korken knallen. Denn die Italiener dürften wohl die Ersten sein, wenn es darum geht, eine Zinkdruckguss-Verkleinerung der triumphierenden Startnummer 51 in ihrem eigenen Hausmaßstab auf den Markt zu bringen. Allerdings haben sich die Zeiten seit dem Jahr 1989 dann doch radikal verändert. Die rassige Neuheit kostet keine 30 Mark, sondern 124,50 Euro. Dafür ist die Miniatur aber auch in Sachen Vorbildtreue, Verarbeitung, Lackierung und Dekoration so weit vom F40 aus den Neunzigern entfernt, wie Maranello es in der Saison 2023 von einem Formel-1-Titel war.
Der mehr als 2,5 Millionen Mal verkaufte F40 war exakt an der Schnittstelle von Spielzeug und Sammlerminiatur unterwegs. Raritäten-Status gab es vor allem bei Sonderauflagen. Der Ferrari 499P, den die in Norditalien gegründete Marke liefert, ist ein „Collectors item“ reinsten Wassers. Das macht die 124,50 Euro dann genauso preiswert, wie es die 30 Mark für den Urahnen 1990 waren.
Nur zwei Dinge sind an der Miniatur beweglich: die winzigen Türen zum Hineinkrabbeln – Einsteigen kann man das ja nicht nennen – und die Vorderräder, die sich lenken lassen. Vorteil dieses 1:18-Lastenhefts: Die aerodynamisch ausgefeilte Form des knallroten Maranello-Hypercars wirkt wie eine kleine Skulptur der Effizienz, denn die Spaltmaße der Türen sind perfekt. Auch die Fensterteile der runden Kabine fügen sich gut in die Gesamtlinie ein. Tolle Felgen und Bremsscheiben sind die Eyecatcher beim Fahrwerk, das ansonsten originalgetreu glatt verkleidet ist und in einen Diffusor ausläuft.
Schon bisher waren die Bburago-Produkte aus der hauseigenen Ferrari-Serie offensichtlich immer noch einen Tick besser dekoriert als alle anderen Modellautos der Marke. Der 499P hinterlässt den Eindruck, als habe das Team in Sachen farbige Gestaltung des Rennanzugs auch noch die letzten Register gezogen, um einem Le-Mans-Sieger, aber auch der fünftplatzierten Nummer 50 ein würdiges Denkmal zu setzen. Für knapp 125 Euro bietet der Ferrari 499P von Bburago einen Gegenwert, der ihn zum Siegertypen stempeln dürfte. Und der V6-Biturbo brüllt: „I’ll be back!“