Sieh an, der Sián’19 Lamborghini Sián von Bburago in 1:18

Andreas A. Berse

 · 08.06.2021

Sieh an, der Sián: ’19 Lamborghini Sián von Bburago in 1:18

Im Bologneser Dialekt bedeutet „Sián“ Blitz: Und so könnte Bburagos 1:18 Version des gleichnamigen Lamborghini auch im Modellautomarkt einschlagen.

Auch die ungewöhnliche Farbe des Lamborghini Sián ist bei der Die-Cast-Miniatur makellos und semimatt aufgetragen
Foto: Blackys Studio

Der blitzgescheite Hybridantrieb seiner neuesten Schöpfung, den Lamborghini selbst als ersten superkondensatorbasierten V12 be zeichnet, könnte namensgebend gewirkt haben: Denn „Sián“ bedeutet Blitz. Das irgendwie umbrabraun-goldfarben-grün lackierte Coupé sorgte auf der IAA 2019 auch für eine Aufmerksamkeit, die sonst nur Blitzeinschlägen zuteil wird. 2020 könnte der Wagen, obwohl verkleinert, noch eine weitere Facette gewinnen. Bburago war Ende der Achtziger auch deshalb so erfolgreich, weil die Verkleinerungen der Marke genau auf dem schmalen Grat zwischen hochwertigem Spielzeug und wohlfeilem Sammlermodell drifteten. So kamen damals Millionenauflagen zustande. Nun übernimmt mit dem jahrzehntelangen Deutschlandvertreiber von Maisto, Heinrich Bauer, eine sehr erfahrene Firma auch die Bburago-Geschäfte zwischen Aalen und Zwickau. Das könnte die große italienische Marke, die in den letzten Jahren bedauerlicherweise immer mehr zur Supermarktware degradiert wurde, aus ihrem Dornröschenschlaf wecken. Denn der neue Lamborghini Sián im selbst erfundenen Hausmaßstab 1:18 zeigt das Potenzial von Bburago.

Wohl in der Jahresmitte 2020 kommt da ein Supersportwagen für 53,50 Euro zum Händler, der sehr viel Modellauto fürs Geld bietet. Zeigte der Bugatti Divo aus dem letzten Jahr bereits, was neuerdings in der Traditionsmarke steckt, so setzt der aktuelle Sián noch einen drauf. Das beginnt zunächst einmal auf den ersten Blick mit einer semimatten Lackierung in diesem ungewöhnlichen Farbton, der irgendwo zwischen Grün, Braun und Gold angesiedelt ist. Auch die technischen Features toppen den Vorgänger aus Molsheim. Denn beim Sián lassen sich nicht nur die Türen öffnen, auch die Klappe über dem 785 PS starken V12 schwenkt nach oben und gibt den Blick auf das Kraftwerk frei. 34 weitere Pferdestärken spendiert der Hybridantrieb. Macht unter dem Strich beim Original 819 PS. Das reicht für den Sprint von null auf 100 Stundenkilometer in 2,8 Sekunden und über 350 km/h als Spitzengeschwindigkeit. Die Vorderräder hat Bburago lenkbar gestaltet.

Die aggressiv gestylte Außenhaut trifft die Miniatur mit Bravour. Beim Original ist Motorkühlung und variable Downforce ihre Hauptaufgabe. Den Flügel beim 1:18er hat Bburago nicht ausfahrbar umgesetzt. Die „63“ an den Seitenfinnen weist übrigens auf das Gründungsjahr der Marke hin. So puristisch und funktional der Sián im Außendesign daherkommt, so luxuriös präsentiert sich das eng geschnittene, zweisitzige Interieur des Hochleistungssportwagens. Die Ledermanufaktur Poltrona Frau spendiert die Auslegeware, und Bburago hat sich in dieser Preisklasse durchaus überzeugend daran versucht, diese Feinheiten nachzu bilden. Überhaupt: Von der chrombeladenen Spielzeughaftigkeit, die damals den legendären F40 auszeichnete, hat sich die Firma wie schon beim Bugatti Divo endgültig verabschiedet. Alles andere wäre auch nicht mehr zeitgemäß. Sogar im engen Cockpit geht es jetzt bei der 18fachen Verkleinerung darum, möglichst präzise das Vorbild nachzuempfinden. Und das geht heute nur mit einer Armada an aufgedruckten Dekorationen sowie einigen Schlabonenlackierungen für die Zweifarbigkeit der Lamborghini-Inneneinrichtung. Deshalb kann so ein Modell auch nicht mehr 30 Mark kosten wie der Ferrari F40 anno 1990, sondern schlägt mit aber immer noch höchst wettbewerbsfähigen 53,50 Euro zu Buche.

Den gewachsenen Ansprüchen beim Sammler des 21. Jahrhunderts stellt sich auch die Außendekoration. Das beginnt bei den mattsilbernen Y-förmigen Zierelementen der geteilten Frontscheinwerfer, setzt sich in den schwarz lackierten Kühlluftöffnungen auf den vorderen Kotflügeln fort und umfasst auch die kupferfarbenen, sehr filigran umgesetzten Speichenräder, die eine schwarze Radnabe mit dem präzise aufgedruckten Lamborghini-Schriftzug zeigen. Der gleiche Schriftzug befindet sich auch auf den Außenspiegeln. Es ist fast so, als würde Bburago mit dem Bugatti Divo und dem Sián sein eigenes 2.0 definieren wollen. Und das gelingt überzeugend. Wer Zweifel daran hegt, der möge sich die sechs sechseckigen Rückleuchten anschauen, die aus dem hinteren Abschlussgitter herausragen, oder die ebenfalls sechseckigen zwei Auspuffendrohre, die aus dem Diffusor herauszuwachsen scheinen. Dass dessen Heckgitter nur bedruckt und nicht durchbrochen umgesetzt ist, bleibt zu verschmerzen und hält den Verkaufspreis attraktiv niedrig.

Alles das, was den Lamborghini Sián auf den ersten Blick ausmacht und von seinen Konkurrenten unterscheidet, zeichnet Bburago in der von ihm erfundenen Baugröße an seiner Verkleinerung, die sich immer auf dem Stand der Dinge in dieser Preisklasse bewegt, sehr überzeugend nach. Wenn sich der Sammler die beiden letzten Projekte der Norditaliener nach Vorbildern aus Molsheim und Sant’Agata Bolognese aufmerksam anschaut, ist deutlich spürbar, dass die Traditionsmarke in Sachen Finish, Dekoration und Verarbeitung deutlich Richtung Perfektion beschleunigt. So könnte dem neuen deutschen Importeur mit weiteren Miniaturen nach diesem Zuschnitt ein entscheidender Schritt gelingen: die Sammler wieder zurück zur Marke Bburago zu holen. Das wäre ein Comeback nach Maß.