Ein ganz großer Modellautofan spielt jetzt leider nur noch im HimmelFoto: HPP Traumwerk/Philipp Niedermeier

NewsEin ganz großer Modellautofan spielt jetzt leider nur noch im Himmel

 

19.10.2021, Lesezeit: 3 Minuten

Uli Höschen, der Kurator der Sammlung des Hans-Peter Porsche Traumwerks in Anger, ist überraschend gestorben. Er war ein Kulturschaffender in Sachen Spielzeug.

Wer das Glück hatte, Uli Höschen persönlich kennenzulernen, der konnte schnell den Eindruck haben, ihn würde ein Uhrwerk antreiben, das sich von selbst immer wieder mit neuen Ideen auflädt. Dieses Uhrwerk hat leider aufgehört zu laufen. Als jobbender Schlafwagenschaffner wurde er zum Eisenbahnfan und interessierte sich fortan für das, was hinter dem Spielzeug steckt: Kultur, wenn auch vielleicht eine manchmal populäre. Diese Faszination hat ihn ein Leben lang nicht losgelassen. Leider ist dieses Leben, mit dem Uli Höschen vielen Menschen Freude bereitet hat, nun zu Ende.

Mit der Zeitschrift Spielzeug-Kultur schuf er sich ein erstes Medium für sein Ideen-Füllhorn. Vorher gründete der geborene Duisburger bereits ein Café, servierte als Journalist auf Papier seine selbstverfassten Schlemmeratlanten und entdeckte schon in den Neunzigern das World Wide Web als Medium. Als Kurator der Sammlung des Hans-Peter Porsche Traumwerks in Anger fand er schließlich vor einigen Jahren seinen Traumjob. Oder fand dieser Traumjob gar ihn? Egal: Da hatten sich auf jeden Fall die zwei Richtigen gefunden, und Hans-Peter Porsche entdeckte nicht nur einen guten Freund in ihm, sondern einen engen Vertrauten, der die Idee hinter der einmaligen Location in Anger vorantriebt. Manchmal tat er das auch mit wohltemperiertem Furor, aber er blieb immer Mensch dabei und Teamworker. Höschen war auch ein intellektueller Kopf, aber er beging nicht den Fehler, die Sammlung etwa abgehoben zu präsentieren. Ganz im Gegenteil: Er wollte ein großes Publikum für das Thema Spielzeug und die vielen Geschichten dahinter begeistern. Dieses Ziel hat er immer mit Perfektion und Verve verfolgt.

Die Rennfahrerkarriere von Walter Röhrl verdichtete Uli Höschen zu einem acht Meter langen Zeitstrahl in der Baugröße 1:43 mit passenden DioramenFoto: HPP Traumwerk
Die Rennfahrerkarriere von Walter Röhrl verdichtete Uli Höschen zu einem acht Meter langen Zeitstrahl in der Baugröße 1:43 mit passenden Dioramen
Die Rennfahrerkarriere von Walter Röhrl verdichtete Uli Höschen zu einem acht Meter langen Zeitstrahl in der Baugröße 1:43 mit passenden DioramenFoto: HPP Traumwerk
Die Rennfahrerkarriere von Walter Röhrl verdichtete Uli Höschen zu einem acht Meter langen Zeitstrahl in der Baugröße 1:43 mit passenden Dioramen

Was für verrückte Ideen hatte dieser Uli Höschen manchmal. Beispiel gefällig? In einer großen Walter-Röhrl-Ausstellung im Traumwerk verdichtete er die Rennfahrer-Karriere des Rallye-Doppelweltmeisters zu einem acht Meter langen Zeitstrahl, der mit minutiös gestalteten 1:43-Dioramen aus dem Leben eines großen Motorsportlers angefüllt war. Und der große Konzeptioner vergaß auch die Details nicht. Wer die aktuelle Sonderausstellung “Space Toys” im Traumwerk aufmerksam anschaut, der wird in den Vitrinen auch einen Schulfüller im Saturn-Raketen-Format entdecken können.

Bisher unentdeckte Spielzeugwelten zu betreten, auch das war Uli Höschen mit der Ausstellung “Space Toys” eine HerzensangelegenheitFoto: HPP Traumwerk/ICONICTURN
Bisher unentdeckte Spielzeugwelten zu betreten, auch das war Uli Höschen mit der Ausstellung “Space Toys” eine Herzensangelegenheit
Bisher unentdeckte Spielzeugwelten zu betreten, auch das war Uli Höschen mit der Ausstellung “Space Toys” eine HerzensangelegenheitFoto: HPP Traumwerk/ICONICTURN
Bisher unentdeckte Spielzeugwelten zu betreten, auch das war Uli Höschen mit der Ausstellung “Space Toys” eine Herzensangelegenheit

Uli Höschen hatte aber nicht nur gute Ideen, er konnte sie auch dank eines über Jahre geknüpften Netzwerks umsetzen. In dieser Woche konnten die engen Verwandten, Freunde und Wegbegleiter und das Team des Hans-Peter Porsche Traumwerks von ihrem großen Spielkameraden Abschied nehmen. Im Traumwerk, das hatte Hans-Peter Porsche selbst organisiert, sind dann alle anschließend nach Kaffee und Kuchen auf der großen Eisenbahn durch den hauseigenen Park gedampft. Und ich bin mir sicher: Uli Höschen hat da oben jeden einzelnen Lokomotivenpfiff gehört und das Kaiserwetter hat er selber dazu bestellt.