Das Fachgeschäft Spielwaren Werst: Tradition & Charme

ModellfahrzeugDas Fachgeschäft Spielwaren Werst: Tradition & Charme

Andreas A.Berse 

1.7.2021, Lesezeit: 3 Minuten

Es gibt sie noch, die Fachgeschäfte, in denen sich jeder Modellautofan sofort pudelwohl fühlt. Spielwaren Werst ist eines davon – seit unglaublichen 101 Jahren.

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Foto: Hell Sinki (2), Werst (4), P. Sacher (2)
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Foto: Hell Sinki (2), Werst (4), P. Sacher (2)
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Foto: Hell Sinki (2), Werst (4), P. Sacher (2)
Bedient für sein Leben gern seine Kunden und kann mit dem Lötkolben umgehen: Bernhard Werst
Bedient für sein Leben gern seine Kunden und kann mit dem Lötkolben umgehen: Bernhard Werst
Foto: Hell Sinki (2), Werst (4), P. Sacher (2)
Der Gründer und Spielwaren-Pionier
Der Gründer und Spielwaren-Pionier
Foto: Hell Sinki (2), Werst (4), P. Sacher (2)
| Ein Foto von Bernhard Werst aus vergangenen Zeiten
| Ein Foto von Bernhard Werst aus vergangenen Zeiten
Foto: Hell Sinki (2), Werst (4), P. Sacher (2)
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Foto: Hell Sinki (2), Werst (4), P. Sacher (2)
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Bedient für sein Leben gern seine Kunden und kann mit dem Lötkolben umgehen: Bernhard Werst
Der Gründer und Spielwaren-Pionier
| Ein Foto von Bernhard Werst aus vergangenen Zeiten
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Seit 1919 verkauft die Familie Werst Schreibwaren, frisiert die Einwohner von Ludwigshafen sowie Umgebung und hat auch Spielwaren aus Pappmaché, Holz oder dem in dieser Gegend damals weitverbreiteten Celluloid im Programm. Sehr früh kamen zwei weitere Produktpaletten hinzu: die Spielzeugeisenbahn und das Modellauto. Heute, fast schon märchenhafte 101 Jahre später, residiert Spielwaren Werst im eigenen Gebäude, an der Schillerstraße 3 in Ludwigshafen-Oggersheim – übrigens auch der Wohnort von Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl. Wer dieses Kinderparadies, gerne auch für im Herzen Kind gebliebene Erwachsene, betritt und dann Meter für Meter entdeckt, der hat den Eindruck, dass dieser Spielwarenladen immer größer wird, je tiefer man in ihn eindringt. Fast der gegenteilige Effekt wie beim Scheinriesen Tur Tur aus Jim Knopf.

Der Lokomotivführer würde sich hier mindestens genauso wohl fühlen wie der Modellautofan. Das klassische Modellgeschäft ist hier so anheimelnd wie fast nirgendwo. Das liegt, wie immer bei solchen Institutionen, auch am Chef: Der wuselt durch sein kunterbuntes Reich, kennt Stammkunden mit Namen und weiß immer einen Rat, wenn eine freie Parklücke in der Sammlervitrine gefüllt werden will oder per Lötkolben eine Reparatur ansteht. Aber Bernhard Werst verteilt das unvergleichliche Einkaufserlebnis in der Schillerstraße sofort fairerweise auf mehrere Schultern: „Ohne meine 16 Mitarbeiter geht hier gar nichts.“ Weit über 30 Jahre steht er selbst in dritter Generation hinter der Theke und lebt täglich seinen Traumjob: „Wenn Sie mit den Sammlern oder Modellbauern reden, sie anschließend zufrieden aus Ihrem Laden gehen, die Mundwinkel nach oben, dann ist das einfach die beste Motivation, die ich mir vorstellen kann.“

Hochmodern ist Spielwaren Werst aber auch. Denn Sandeimer mit Schäufelchen, die im Eingang parken, hin oder her, im hauseigenen, leistungsfähigen Internetshop sind immer über 100.000 Artikel gelistet. Wer in den ersten Stock emporsteigt und dort das Angebot an Modellautos im Maßstab 1:18 und größer Revue passieren lässt, zieht gerne den Hut vor dieser Warenvielfalt. Das Schönste für Werst ist eines: „Da kommt jemand und möchte nur ein Auto kaufen, das er einmal in 1:1 besaß. Und ein paar Besuche später hast du einen Kunden, der Modellautosammler ist. Das geht nicht im Internet, das geht nur in solch einem Geschäft.“ Und ein guter Schuss Superbenzin pulsiert in den Adern des Chefs auch mit: Schließlich parkt in der eigenen Oldtimer-Garage ein gut gepflegter BMW Z1. O-Ton Werst: „Ein bisschen Spaß muss sein.“ Der Autor ist dann mal weg und verliert sich in den Weiten der hier gut gepflegten Modellautolandschaft – ganz bestimmt bis zum Ladenschluss. Genauso soll es in einem Fachgeschäft ja sein.