Das Bulliversum: 70 Jahre Bulli en miniature

ModellfahrzeugDas Bulliversum: 70 Jahre Bulli en miniature

Andreas A.Berse 

23.6.2021, Lesezeit: 5 Minuten

Mit Kind und Kegel in den Urlaub, helfen beim Umzug, zur nächsten Baustelle fahren? Der Typ 2 ist seit 70 Jahren einer für alle Fälle, auch en miniature.

Carson Modellsport pflanzte dem Bulli in 1:87 sogar eine funktionstüchtige Fernsteuerung in die winzige Karosserie ein
Carson Modellsport pflanzte dem Bulli in 1:87 sogar eine funktionstüchtige Fernsteuerung in die winzige Karosserie ein
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
VW Bulli T6 von NZG, T3, T2 und T1 von Schuco in 1:18
VW Bulli T6 von NZG, T3, T2 und T1 von Schuco in 1:18
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
Bulli-Nachläufer von Brekina in 1:87
Bulli-Nachläufer von Brekina in 1:87
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
VW Samba Bus der Franken in 1:18 im Transporterwerk in Hannover
VW Samba Bus der Franken in 1:18 im Transporterwerk in Hannover
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
Samba Bus von Tamiya in 1:10
Samba Bus von Tamiya in 1:10
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
Slotracer von Scalextric in 1:32
Slotracer von Scalextric in 1:32
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
Matthias Frank von Brekina parkt 1000 Bulli-Varianten auf einer Pritsche
Matthias Frank von Brekina parkt 1000 Bulli-Varianten auf einer Pritsche
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
Topas-verglaste Wiking Doka in 1:87 vor historischer Tanksäule
Topas-verglaste Wiking Doka in 1:87 vor historischer Tanksäule
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
Kaffee- Bus auf Brekina-Basis in H0 (
Kaffee- Bus auf Brekina-Basis in H0 (
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
Carson Modellsport pflanzte dem Bulli in 1:87 sogar eine funktionstüchtige Fernsteuerung in die winzige Karosserie ein
Carson Modellsport pflanzte dem Bulli in 1:87 sogar eine funktionstüchtige Fernsteuerung in die winzige Karosserie ein
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
VW Bulli T6 von NZG, T3, T2 und T1 von Schuco in 1:18
VW Bulli T6 von NZG, T3, T2 und T1 von Schuco in 1:18
Foto: F. Bayer (1), Tomas Liebig (2), C. Hoffmann (1), Werke (5)
VW Bulli T6 von NZG, T3, T2 und T1 von Schuco in 1:18
Bulli-Nachläufer von Brekina in 1:87
VW Samba Bus der Franken in 1:18 im Transporterwerk in Hannover
Samba Bus von Tamiya in 1:10
Slotracer von Scalextric in 1:32
Matthias Frank von Brekina parkt 1000 Bulli-Varianten auf einer Pritsche
Topas-verglaste Wiking Doka in 1:87 vor historischer Tanksäule
Kaffee- Bus auf Brekina-Basis in H0 (
Carson Modellsport pflanzte dem Bulli in 1:87 sogar eine funktionstüchtige Fernsteuerung in die winzige Karosserie ein

Ein ehrlicher Typ zu sein, ist vielleicht nicht cool oder sogar „old school“, aber gerade den Volkswagen Typ 2 hat es zur Ikone gemacht wie keinen anderen Transporter. Es ist diese unerreichte Bandbreite des Bulli: Als Doppelkabine geht es vollbepackt zur Baustelle, das Wirtschaftswunder stemmen, und im schrillbunten „Peace“-Look fährt der Samba Bus samt Surfbrettern zum Strand nach Daytona Beach, um mit den Bikini-Girls zu flirten. Diesen Spagat schafft kein Konkurrent. Und: Der Bulli ist klassenlos wie der Käfer. Die Lufthansa setzte ihn als Zubringerbus auch für die „First Class“ ein, und jeder war zufrieden mit diesem gelb-blauen Fahrservice aus dem Werk in Hannover. Sogar die Modellautowelt zeigt, dass der Typ 2 ein Universalgenie ist. Denn nicht nur bei Sammlern sind die Bullis in den verschiedenen Maßstäben einfach nicht wegzudenken. Wenn Revell in den Modellbau-Kategorien die Leserwahl zum Modellfahrzeug des Jahres gewinnt, dann ist nicht selten ein Bulli in ganz verschiedenen Maßstäben und Ausführungen der Sieger.

Und die japanische Konkurrenz namens Hasegawa führt den Bulli ebenfalls im Kit-Programm der Baugröße 1:24. Scalextric landete einen Coup mit seinem Volkswagen T1 für die 1:32- Autorennbahn, in diesem Jahr sogar lieferbar in der urdeutschen Likör- Reklame „Jägermeister“ und orangegrüner Lackierung. Und wenn der RC-Traditionalist Tamiya quasi vom Mount Fuji nach Shizuoka heruntersteigt und, sicherlich in Komplizenschaft mit dem deutschen Importeur in der Fürther Werkstraße 1, einen VW Samba Bus als funkferngesteuerten Flitzer in 1:10 auflegt, sind letzte Zweifel beseitigt, dass der Bulli in all seinen mittlerweile sechs Generationen auch ein Phänomen in 1:X ist. Als NZG seine 1:18-Serie aus der Taufe hebt, da wagen sich auch diese Die- Cast-Experten aus Nürnberg an das Thema Bulli und überraschen die Branche mit dem immer noch aktuellen T6, räumen dabei wiederum den ersten Preis bei der Leserwahl ab – sogar zweimal hintereinander. Bei Schuco, 1912 gegründet, ist der Bulli ein roter Faden in der hauseigenen Fahrzeuggeschichte. Egal ob als Piccolo in 1:90, als Zinkdruckgussmodell in 1:87, 1:43, 1:32 oder 1:18 - er ist überall in den Katalogen der Franken präsent. Sogar mit einem Formel-V-Flitzer als 1:18-Ladegut. Und was war der ausschlaggebende Grund, die Die-Cast-Formen von Premium Classixxs für Schuco zu kaufen? Natürlich auch die Druckgusswerkzeuge des Volkswagen T3 und T4, mit denen die Produktplaner der Franken noch viele überraschende Ideen umsetzen werden.

Selbst im tiefsten Schwarzwald kennt man sich mit dem Nordlicht vom Mittellandkanal gut aus. Brekina, und das klingt nicht vermessen, ist ohne den Bulli in 1:87 gar nicht denkbar. Im Jahre 2005 setzte MODELL FAHRZEUG mit der Hilfe von Matthias Frank von den Teningern bei bitterer Winterkälte ein unglaubliches Foto in die Realität um. Auf einer roten Pritsche parkten wir damals die exakt 1000 verschiedenen Versionen des VW T1 der 1:87-Spezialisten ein. Beim stundenlangen Aufbau dieser Szenerie gab es kalte Finger und eimerweise Kaffee als Zugabe. Heute sind es schon viel mehr, genau 2111 Versionen, Tendenz: immer noch steigend. Selbst Wiking entschloss sich vor ein paar Jahren, dem Bulli der Generation T1 ein komplett neu konstruiertes H0-Modell zur Seite zu stellen. Trotzdem pflegt die in Berlin gegründete Modellautolegende aber immer noch den alten Formenfundus und bringt die frühen verglasten Versionen aus der Topas-Ära meist als Sondermodelle auf den Markt, deren Fensterteile an Sonnenbrillen erinnern. Und als Wiking seine N-Serie in 1:160 Ende der Sechziger aus der Taufe hob, gehörte der Bulli natürlich zu den allerersten Neuheiten.

Immer noch nicht überzeugt, dass der Bulli ein globales Modellautophänomen ist? Dann hilft ein Blick auf die Insel weiter. Zum einen hat Corgi genau diesen Transporter und Bus als 1:43-Zinkdruckgussmodell in seiner Vanguards-Serie im Angebot. Und zum anderen nahm Sun Star für seine 1:12-Miniatur ein sechsstelliges Entwicklungsbudget in Euro in die Hand und wird nicht müde, immer wieder neue Varianten auf Basis dieses Zinkdruckgussmodells zu entwickeln, zuletzt im „Just married“- Look mit Blumengirlanden. Zwei Dinge machen den Bulli aber auch technisch interessant: Bei Filigranität und Funktionalität der Inneneinrichtung im Samba Bus trennt sich modellbauerisch die Spreu schnell vom Weizen, und ausgetüftelte Dekorationen zeigen, wer im Lande zu den Bedruckungsvirtuosen gehört. Und so archaisch der Transporter der ersten Generation auch sein mag, das hinderte Schuco nicht daran, seinem 1:18-Modell einen Zündschlüssel und verkabelte Bremsleitungen zu spendieren.

Dass manchmal das Eckige auch dank guter Bastelarbeit zum Runden werden kann, beweist dagegen der Franzis-Verlag mit einem Bastelbogen, aus dem ein originalgetreu eingefärbter Volkswagen T2 als Reisemobil aus einem Kartonbausatz in 1:18 entstehen kann. So könnte es sein, dass die Modellautobranche spätestens im nächsten Jahr kollektiv auf Wolke Nummer sieben schwebt. Denn die siebte Generation des Bulli steht ja bereits in den Startlöchern. Es könnte einen harten Fight darum geben, wer hier den Zuschlag en miniature erhält. Und spätestens in 25 Jahren kann es sich kein renommierter Modellautoanbieter leisten, den T7 nicht im Programm zu führen. Denn dann ist er längst zum Youngtimer gereift, der gute Verkaufszahlen verspricht. Merke: Bei dieser Bulli-Parade ist noch kein Ende in Sicht.